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Artikel aus der
Westdeutschen Allgemeinen Zeitung, Freitag 28.01.2005
Von Elli Schulz


Rüttenscheid. Dem Tod geben viele Menschen heute nur wenig Raum und Zeit in ihrem Leben. Sterben wird oft verdrängt und steht trotzdem oder gerade deshalb im Zentrum menschlicher Ängste. Würdige Begleitung im Umgang mit dem Tod will die Rüttenscheider Diplom-Theologin Carmen Birkholz anbieten - und geht dabei neue Wege der Abschiedskultur.
Menschen in ihrem letzten Lebensabschnitt zu begleiten, ist dabei nur ein Ziel der evangelischen Theologin. Es geht ihr nicht nur um die Sterbenden selbst, sondern auch um deren Angehörige und Freunde - und um das Personal in Krankenhäusern und Pflegeheimen. „Durch die Pflegeversicherung hat sich die Situation verändert”, ist die 40-Jährige überzeugt. 40 bis 50 Prozent der Menschen in Altenpflegeheimen stürben jedes Jahr, nur 50 Prozent der Pflegekräfte seien ausgebildet im Umgang mit Sterbenden. „Mehr Wissen in diesem Bereich würde nicht nur den Sterbenden und ihren Familien, sondern auch den Mitarbeitern selbst helfen”, betont die Theologin den psychosozialen Aspekt ihrer Arbeit.
Zielgruppe der Rüttenscheiderin sind aber auch Menschen in Trennungs- und Krisensituationen jeder Art: Menschen, die sich vom Partner, Beruf, Wohnort, Kinderwunsch trennen; Menschen, die schwere Krankheiten oder neue Herausforderungen erleben, deren Lebensmittelpunkt sich verschiebt.
Dennoch wird Hilfe im Trauerfall wohl einen Großteil ihrer Arbeit ausmachen, vermutet die selbstständige Theologin. „Ich begleite Menschen beim Abschied, in der Zeit zwischen Tod und Beerdigung, in der eigentlichen Trauerphase und bei der Rückkehr zur Normalität”, sagt Carmen Birkholz. Eine Abschiedszeremonie müsse individuell entwickelt werden, basierend auf christlicher Tradition oder weltlichen Ritualen, wie es dem Verstorbenen entspreche. Als evangelische Theologin könne sie selbst Gottesdienste abhalten, bei katholischen Zeremonien helfe sie zum Beispiel bei der Auswahl von Liedern und Texten.
Carmen Birkholz: „Wenn ein junger Mensch stirbt, der die ,Toten Hosen' mochte, warum soll dann nicht deren Musik bei der Trauerfeier gespielt werden. Es muss nur ehrlich und stimmig sein.”
Die Rüttenscheiderin fängt Hinterbliebene auf, wenn die Formalitäten erledigt sind und das „psychische Loch” kommt, das der Trauer Raum gibt. Wie lange ihr seelsorgerischer Beistand benötigt wird und in welchen Abständen aktive Trauerarbeit stattfindet, entscheidet der Betroffene. „Man kann sich einmal in der Woche oder einmal im Monat zum Gespräch treffen. Oder ich gehe mit zum Friedhof oder ins Fußballstadion, wohin der Trauernde früher mit dem Verstorbenen gegangen ist”, erläutert Carmen Birkholz Möglichkeiten der Unterstützung.
Die Theologin will bei ganz unterschiedlichen Dingen helfen: starke Gefühle wie Trauer und Einsamkeit auszuhalten oder über die Strukturierung des Alltags den Weg zurück ins Leben zu finden. Gespräche könnten im Büro oder bei den Menschen zu Hause stattfinden - ganz, wie es der Einzelne wünsche.
Bei Carmen Birkholz dreht sich nicht alles um Tod und Sterben. Die Theologin organisiert zum Beispiel auch individuelle Hochzeitsfeiern für alle, die keinen Bezug zur Kirche haben, aber eine Zeremonie möchten, die über die standesamtliche hinausgeht. Eine andere Zielgruppe seien gleichgeschlechtliche oder geschiedene Paare, die von bestimmten kirchlichen Ritualen weitgehend ausgeschlossen seien. Oder Paare, die nicht standesamtlich heiraten wollen, um ihre Rentenansprüche nicht zu verlieren, sich aber gegenseitig etwas versprechen möchten. Geburts- oder Namensgebungsfeiern gestaltet Carmen Birkholz für Eltern, die ihre Kinder nicht taufen lassen wollen. „Ich sehe mich nicht in Konkurrenz zur Kirche”, sagt die Theologin, die selbst als Pfarrerin in einer Gemeinde und im Krankenhaus tätig war. Vorstellbar seien auch Willkommensfeiern für Pflege- oder Adoptivkinder - Situationen, für die es eigentlich keine festgelegten Rituale gebe.
Carmen Birkholz nimmt keine Pauschalpreise, sie berechnet ihr Honorar nach Aufwand.

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